Dietsch@bookwyrm.de a publié une critique de Adama (Eine Geschichte Israels, die so noch nie erzählt wurde) par Lavie Tidhar
Der Preis eines Ideals
5 étoiles
Ein Page-Turner, ohne Frage — ich wollte immer wissen, was aus der nächsten Generation wird. Getragen hat mich dabei nicht die große Geschichte Israels, sondern die kleine: das Leben im Kibbuz. Wie man mitten in Kriegen und Staatsgründung eine sozialistische Gemeinschaft aufbaut und über Jahrzehnte hält, ist für mich eine fremde Welt und großartig erzählt. Ruth ist die stärkste Figur des Buches. Sie lebt ein Ideal, das die Konsequenz aus dem Holocaust ist, und gibt dafür immer mehr her, am Ende auch Menschlichkeit.
Wer als Thriller-Fan herangeht, sollte wissen, worauf er sich einlässt. Es wird kein Fall gelöst, und wo Tidhar mit Thrillermechanik arbeitet, verlässt er sich gern auf die schicksalhafte Fügung. Man sieht der Handlung mehrfach an, dass sie sich weiterbewegen muss, weil die Dramaturgie es verlangt. Ein guter Thriller ist das trotzdem, nur kein brillanter. Stark ist der Roman als Verflechtung: Familienroman, Kibbuz-Chronik, Politgeschichte und Kriminalstoff greifen …
Ein Page-Turner, ohne Frage — ich wollte immer wissen, was aus der nächsten Generation wird. Getragen hat mich dabei nicht die große Geschichte Israels, sondern die kleine: das Leben im Kibbuz. Wie man mitten in Kriegen und Staatsgründung eine sozialistische Gemeinschaft aufbaut und über Jahrzehnte hält, ist für mich eine fremde Welt und großartig erzählt. Ruth ist die stärkste Figur des Buches. Sie lebt ein Ideal, das die Konsequenz aus dem Holocaust ist, und gibt dafür immer mehr her, am Ende auch Menschlichkeit.
Wer als Thriller-Fan herangeht, sollte wissen, worauf er sich einlässt. Es wird kein Fall gelöst, und wo Tidhar mit Thrillermechanik arbeitet, verlässt er sich gern auf die schicksalhafte Fügung. Man sieht der Handlung mehrfach an, dass sie sich weiterbewegen muss, weil die Dramaturgie es verlangt. Ein guter Thriller ist das trotzdem, nur kein brillanter. Stark ist der Roman als Verflechtung: Familienroman, Kibbuz-Chronik, Politgeschichte und Kriminalstoff greifen wirklich gut ineinander.
Anstrengend ist die Härte. Sympathisch ist hier fast niemand; wer nicht jung stirbt, hat irgendwann Blut an den Händen. Das ist Absicht und lässt sich als Kette lesen: Die Gewalt der Gründungsjahre setzt sich fort, nur ohne den Zweck, der sie einmal trug. Wo recherchierte Geschichte aufhört und Erfindung anfängt, markiert der Roman allerdings nicht. Als Geschichtsbuch taugt er deshalb nicht, als Familienroman sehr.